Stellungnahme zur geplanten 2. IGS in Salzgitter-Bad

Beschluss zur geplanten 2. IGS
in Salzgitter-Bad

Schulvielfalt in Salzgitter – Wir sind dafür!

Der Stadtelternrat hat in seiner Sitzung vom 11. Juni 2015 den Beschluss gefasst, die Einrichtung
einer 2. Integrierten Gesamtschule (IGS) in Salzgitter-Bad derzeit nicht zu unterstützen. Mit diesem
Beschluss hat der Stadtelternrat den Wunsch geäußert, die Förderung der vorhanden IGS in
Lebenstedt weiter voranzutreiben. Außerdem wurden Befürchtungen aufgeführt, die sich ergeben,
wenn es zur (geplanten) Errichtung der 2. IGS kommen sollte.

Der Stadtelternrat hat sich in dieser Sitzung außerdem klar für das Konzept der IGS, auch/besonders in Hinblick auf eine vielfältige Schullandschaft in Salzgitter, ausgesprochen.

Der Beschluss wurde einstimmig gefasst und wird weiterhin uneingeschränkt vertreten.
Der Entschluss des Stadtelternrats ist von vielen Seiten durchaus positiv aufgenommen worden.
Leider gab es auch teilweise sehr harsche Kritik. Der Stadtelternrat wurde offen angefeindet und
unsachlich diffamiert.
Es scheint, dass der Entschluss des Stadtelternrats von Teilen seiner Kritiker (vielleicht auch absichtlich) nicht richtig verstanden wurde. Daher sollen die geäußerten Befürchtungen noch einmal ausführlich dargelegt werden.

1. Wegfall der Schulvielfalt in Salzgitter-Bad

Die Errichtung der IGS in Salzgitter-Bad ist in den Räumen der Realschule in der Friedenstraße
geplant. Die Realschule und Hauptschule sollen zugunsten der IGS aufgegeben werden. Die IGS
wird dadurch eine dominierende Stellung als weiterführende Schulform in Salzgitter-Bad erhalten.
Ziel der IGS ist das gemeinsame Lernen von Schülern mit unterschiedlichen Leistungsvermögen.
Um Schüler mit einem hohen Leistungsniveau für die IGS zu gewinnen, wird es notwendig sein, an
der IGS eine gymnasiale Oberstufe anzubieten. Dadurch wird sich die IGS in Konkurrenz zum
Gymnasium Salzgitter-Bad stellen (müssen).
Der Stadtelternrat befürchtet daher durch den Wegfall der Real- und Hauptschule und die
Beeinträchtigung des Gymnasiums einen massiven negativen Einfluss auf die noch vorhandene
Schulvielfalt in Salzgitter-Bad.

2. Keine positive Auswirkungen auf die Schülerbeförderung

Im Rahmen der Einrichtung der IGS ist der Wegfall der Real- und Hauptschule in Salzgitter-Bad geplant. Schüler die zukünftig die Real- oder Hauptschule besuchen sollen, werden längere Fahrzeiten mit dem Schulbus nach Gebhardshagen oder Lebenstedt auf sich nehmen müssen.
Der Stadtelternrat befürchtet dadurch nachteilige Auswirkungen auf die Schüler.
Schülerbeförderung ist immer ein Nachteil für die Betroffenen. Fahrschüler müssen darunter leiden, weniger Zeit fürs Lernen oder eine sinnvolle Freizeitgestaltung zu haben.
Es ist zu erwarten, dass der Bedarf an Schülerbeförderung zunehmen wird und damit die Kosten steigen. Es bleibt zu befürchten, dass die Kosten zu Lasten der Schulen gedeckt werden.

3. Keine ausreichend qualifizierten Lehrer

Für die Einrichtung einer neuen Schule ist nicht nur eine materielle Ausstattung erforderlich.
Selbstverständlich werden auch qualifizierte Lehrkräfte benötigt. Damit eine IGS erfolgreich gemäß ihres Konzepts arbeiten kann, werden Lehrkräfte aller Schulformen bzw. -stufen benötigt – auch Lehrkräfte für die gymnasiale Ausbildung.
In der aktuellen Presse kann verfolgt werden, dass das Land Niedersachsen händeringend gute Lehrkräfte sucht. Gesucht werden aktuell ca. 750 zusätzliche Lehrkräfte für Gymnasien. Weitere 700 Lehrer werden außerdem gesucht, um der Herausforderung zur Integration von Flüchtlingskindern zu begegnen.
Es ist nicht zu erwarten, dass die gesuchten Lehrer kurzfristig gefunden werden. Bereits jetzt sind Schulen in Salzgitter mit Lehrkräften teils unterversorgt oder nur knapp ausgelastet.
Der Stadtelternrat befürchtet, dass keine ausreichend qualifizierten Lehrkräfte für eine neue IGS gefunden werden können. Es ist insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen Situation zu erwarten, dass die notwendigen Gymnasiallehrkräfte nicht bereit stehen werden.

4. Nicht ausreichende Schülerzahlen

Für eine erfolgreiche Umsetzung des IGS-Konzepts ist eine ausreichende Schülerzahl erforderlich.
Gesetzlich vorgeschrieben ist, dass neue Integrierte Gesamtschulen langfristig (d.h. mind. 10 Jahre lang) eine Mindestgröße von vier Zügen erreichen müssen. Bei der Berechnung der Züge wird von einer Schülerzahl von 24 Schülern je Zug auszugehen. Insgesamt werden also mindestens 96 Schüler je Schuljahrgang benötigt.
Vor dem Hintergrund rückläufiger Schülerzahlen befürchtet der Stadtelternrat, dass die für das Konzept der IGS notwendigen Schülerzahlen dauerhaft nicht erreicht werden. Dies kann dazu führen, dass weitere Schulen geschlossen werden und die Schülerbeförderung ausgebaut werden muss.

5. Finanzierung der 2. IGS zu Lasten anderer Schulen in Salzgitter

Für die Einrichtung der IGS werden finanzielle Mittel in nicht geringem Umfang benötigt. Als Finanzbedarf für die Umsetzung des Projekts wurden vom Rat der Stadt bereits ca. 6,3 Mio. Euro, verteilt auf 6 Jahre, eingeplant. Ob die veranschlagten Mittel ausreichend sein werden, ist unbekannt.
Der Stadtelternrat befürchtet daher, dass die Finanzierung der 2. IGS zu Lasten der anderen Schulen in der Stadt Salzgitter gehen wird. Diese Befürchtungen wurden bereits durch die Debatte im städtischen Ausschuss für Bildung und Kultur bestätigt. So sollen die 5. und 6 Klasse im Falle eines Starts der 2. IGS zum Sommer 2016 in der Dr.-Klaus-Schmidt-Hauptschule untergebracht werden.
Wie die hierfür bisher nicht eingeplanten Kosten gedeckt werden sollen, konnte nicht beantwortet werden. Naheliegend ist davon auszugehen, dass diese Mittel aus dem Schulhaushalt genommen werden und somit Maßnahmen an anderen Schulen zurückgestellt werden müssen.

Fazit

Zusammenfassend steht für den StER fest, dass die Befürchtungen so gravierend sind, dass die Einrichtung der 2. IGS durch die Elternschaft im Sinne ihrer schulpflichtigen Kinder nicht unterstützt werden kann.
Besonders der hohe Zeitdruck zur Einrichtung der IGS bis zum Sommer 2016 wird zu massiven Nachteilen für die vorhandenen Schulen und die 2. IGS selbst führen. Die 2. IGS wird, so ist zu befürchten, massive Probleme haben, den Schulbetrieb geordnet aufzunehmen. Und für die anderen Schulen werden voraussichtlich weniger Ressourcen zur Verfügung stehen.
Der Stadtelternrat möchte abschließend noch einmal deutlich machen, dass der Entschluss, sich gegen die 2. IGS auszusprechen, keine Entscheidung gegen das Konzept der IGS ist. Der Stadtelternrat ist für die Schulvielfalt in Salzgitter und zu dieser Vielfalt gehört die IGS selbstverständlich dazu.
Der Stadtelternrat ist die Interessenvertretung aller Erziehungsberechtigten in der Stadt Salzgitter.
Er berät in allen Fragen, die für die Schulen in der Stadt von Bedeutung sind. Im Stadtelternrat sind Delegierte aller in Salzgitter vorhandenen Schulformen vertreten. Viele der Mitglieder sind bereits seit mehreren Jahren ehrenamtlich als Elternvertretung in den Schulen ihrer Kinder und dem Stadtelternrat tätig.

15-10-03 Erklärung 2. IGS

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